Schafgarbenkraut – Anwendung, Wirkung, Produkte

Das Schafgarbenkraut wurde bereits von den amerikanischen Ureinwohnern, den Indianern, den alten Germanen und natürlich auch den Chinesen als Heilmittel verwendet. Alle oberirdischen Teile können als Kraut genutzt werden, da die Pflanze im gesamten Kraut medizinische Wirkstoffe enthält.

schafgarbenkraut
Die Pflanze in voller Blüte

Ob Stängel, Blätter oder Blüten, die krautigen Teile können bei vielen Krankheiten eine echte Hilfestellung sein.

Dabei wird das Kraut der Schafgarbe nicht nur innerlich durch Tees oder Aufgüsse angewandt, sondern auch äußerlich bei Wunden oder als Kompressen und Wickel. Krampflösend, entzündungshemmend und blutstillend soll es unter anderem wirken.

Einige der anderen bekannten Namen des Schafgarbenkrauts lassen schon auf die jeweilige Wirkung schließen. So wird sie auch als Blutstillkraut, Grundheil oder Grützblume bezeichnet.

Der bekannteste Zweitname ist das Achilleskraut. Hier ist der Hinweis auf Achilles enthalten, der bekanntermaßen mit der Schafgarbe die Wunden seiner Soldaten versorgen ließ. So ist die Pflanze dann auch bereits in der Ilias als Blutstiller und als Mittel zur Wundheilung erwähnt worden. Die Chinesen nutzten das Kraut sogar als Orakel.

Gemeine Schafgarbe und ihr Kraut

Die Gemeine Schafgarbe ist zwar lediglich eine unter vielen Arten, aber sie ist die namensgebende Art für diese Pflanzenfamilie der Korbblütler. Die Pflanze wächst meist eher bodennah und kann in all ihren oberirdischen Teilen für Homopathie und Medizin genutzt werden.

Sie blüht relativ früh von Mai bis etwa Juni oder Anfang Juli. Doch da die verwandten Arten ebenfalls vielfach die gleichen positiven Wirkstoffe bieten, kann sie mit seinen Blüten noch bis zum Oktober geerntet werden. Die Blüten sind meist weiß oder strahlend gelb. Einige wenige Arten haben auch Blüten in einem zarten Rosaton. Von welcher der vielen Arten im Handel gekauftes Schafgarbenkraut stammt, ist meist nicht bekannt und muss nicht zwingend von den Herstellern angegeben werden.

Inhaltsstoffe des Krautes

Je nach Art der Pflanze können die Inhaltsstoffe etwas unterschiedlich in der Menge sein. Die wilden Arten und das daraus gewonnene Kraut haben aber immer zahlreiche gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe zu bieten.

Unter anderem finden sich die folgenden Inhaltsstoffe:

• ätherisches Öl
• azulenogene Sesquiterpenlactone
• Kaffeesäurederivate
• Achillein
• Chamazulen
• Flavonoide
• Cumarin

Standort und Verbreitung

Wie der Name es verrät, liebt die Pflanze Wiesen, auf denen Schafe grasen. Ansonsten bevorzugt sie relativ trockene Rasenflächen und Wiesen. Gern wächst die Schafgarbe an Wegesrändern und am Rande von Äckern. Obwohl sie eher leicht trockene Bereiche liebt, wächst sie nur selten im Mittelmeerbereich.

Die Garbe kann nicht gut dauerhaft großer Hitze widerstehen, während sie eine ganze Weile die Trockenheit gut verträgt. Ansonsten ist sie aber in ganz Europa und an vielen anderen Orten verbreitet. Bis hoch zum Polarkreis können Wanderer Schafgarbe pflücken und sogar bis zu einer Höhe von 1900 Metern ist die Schafgarbe in den Alpen zu finden.

Da das Kraut eine Pionierpflanze ist und den Boden nachhaltig verfestigt, ist sie häufig auch in Steinbeeten und Dachbegrünungen zu finden. Möglich wird das durch ihre Kriechwurzeln, die sich flächig ausbreiten können. Da die Pflanze so leicht auch an ungewöhnlichen Orten angebaut werden kann, ist es für Sammler relativ leicht, sich selbst mit den Bestandteilen für die medizinische Anwendung zu versorgen.

Wirkungsgebiete und Anwendung

kraut der schafgarbe
getrocknetes Kraut der Schafgarbe

Neben der Verwendung als Arzneimittel kann das Scharfgarbenkraut auch als Gewürz den Speisen zugegeben werden. Bei Appetitlosigkeit, Blähungen, Völlegefühl oder anderen krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich können sowohl als Gewürz als auch der Tee Abhilfe schaffen.

Aus den getrockneten Pflanzenteilen wird für die innerliche Anwendung unter anderem Tee oder Frischpflanzenpresssaft hergestellt.

Das Kraut wirkt zudem anregend auf den Gallenfluss und antibakteriell, außerdem hat es eine adstringierende also zusammenziehende Wirkung und wirkt allgemein krampflösend. Daher wird es viel in der Frauenheilkunde eingesetzt.

Hier ist esim Einsatz gegen menstruelle Beschwerden und Probleme während der Schwangerschaft. Außerdem werden Sitzbäder mit dem Aufguss aus Schafgarbenkraut für die Lösung von Krämpfen empfohlen. Diese Bäder können den Betroffenen bei Blasen- oder Nierenerkrankungen helfen.

Einige Beispiele für die Anwendung:

Tee bei Magen-Darm-Beschwerden, Völlegefühl, Krämpfe, Blähungen
• Tee und Kraut bei Appetitlosigkeit
• Kraut für Wickel – Leberprobleme, Menstruationsbeschwerden, Wechseljahresbeschwerden
• Ebenfalls für Sitzbäder – Blasen- und Nierenprobleme, Darmerkrankungen, Hämorrhoiden

Positiv ist, dass keine Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt sind. Auch treten keine Probleme mit Überdosierung auf. Dadurch wird es noch interessanter für die naturnahe Medizin.

Entlastung für den Magen

Ist der Magen gereizt oder leidet der Patient unter Geschwüren, wird die Muskulatur des Magens leichter verkrampfen. Das ist meist recht schmerzhaft. Die ätherischen Öle in dem Schafgarbenkraut wirken durchblutungsfördernd und lockern dadurch die Magenmuskulatur.

Durch die Bitterstoffe werden Reflexe verursacht, die eine Bildung von Galle, Magensaft und Speichel anregen. Durch die verstärkte Bildung von Verdauungssäften wird das Eiweiß direkt im Magen schneller verarbeitet und vom Körper aufgenommen. Ähnlich wirkt die verstärkte Bildung von Verdauungssäften auf den Dünndarm, der damit die Fette der Nahrung zügiger verarbeiten kann. Die Entleerung des Magens findet schneller statt und er kann seine Muskulatur leichter wieder entspannen. Krämpfe werden dadurch bereits im Vorfeld verhindert.

Appetit anregend

Die verstärkte Bildung von Verdauungssäften hat noch einen Nebeneffekt, denn es verbessert damit auch Appetitlosigkeit. Dabei hat die Pflanze eigentlich ein leicht bitteres Aroma, das aber dennoch deutlich den Appetit anregen kann.

Die Geschmacksknospen der Garbe werden durch die Flavonoide und ätherischen Öle sozusagen geweckt. Sie regen die Erwartungshaltung des Körpers an, der nun auf Speisen wartet und die oben beschriebenen Verdauungssäfte, wie Speichel und Galle verstärkt produziert.

Gegen Krämpfe im Beckenbereich

Krampfartige Schmerzen im Unterleib kommen nicht nur bei Frauen vor, auch Männer leiden darunter. Die Ursache ist jedoch eine andere. Dennoch kann bei beiden Geschlechtern der krampfartige Schmerz im kleinen Becken durch die Heilpflanze gelindert werden.

Die entzündungshemmenden Stoffe, die in der Schafgarbe enthalten sind, sind mit für eine geringere Entstehung von Gewebshormonen verantwortlich. Vor allem die Prostaglandine werden durch spezielle Enzyme gehemmt. Sie sind bekannt als Auslöser für Schmerzen und Krämpfe, aber auch für Entzündungen im Unterbauchbereich.

Dabei wird es nicht nur in Form von Tees oder Zubereitungen seine Wirkung entfalten, sondern ganz besonders durch Sitzbäder. Die Schleimhäute können die Wirkstoffe nämlich direkt aufnehmen. Optimal ist daher bei der Verwendung von Schafgarbenkraut ein ganzheitlicher Ansatz mit innerlicher und äußerlicher Anwendung.

Entzündungen der Haut

Wie oben erwähnt, kann es durch die Schleimhaut aufgenommen werden, das gilt auch für die Mund- oder Nasenschleimhaut. Da sie ebenfalls eine antientzündliche Wirkung bietet, kann sie bei einer entzündeten Mund- oder Nasenschleimhaut sehr wirksam sein. Gleichzeitig zieht sich die geschwollene Schleimhaut wieder zusammen und trägt so zur beschleunigten Heilung bei.

Ähnlich wirkt es auch äußerlich bei offenen Wunden. Sie beugt Entzündungen im Wundbereich vor. Gleichzeitig werden die Selbstheilungsprozesse an Schleimhaut oder Haut angeregt und beschleunigt.

Es soll sogar durch adstringierende also zusammenziehende Wirkung gegen übermäßiges Schwitzen hilfreich sein. Dafür kann sogar das Kraut genutzt werden, aus dem bereits ein Aufguss oder ein Tee hergestellt wurde. Das feuchte Kraut wird dafür in ein dünnes Baumwolltuch gelegt und in den Achseln einige Minuten eingepresst. Perfekt ist die Anwendung nach dem Duschen, so soll das feuchte Kraut angeblich mehrere Stunden die Schweißbildung mindern.

Rezepte für Tee oder Sitzbad

Etwa ein gehäufter Teelöffel wird für die Herstellung eines Tees mit etwa 150 ml heißem Wasser übergossen. Der Tee sollte mindestens 10 bis 15 Minuten lang ziehen. Dieser Tee kann nicht nur innerlich angewandt werden, sondern auch auf Schleimhäute oder Wunden getupft werden. Bei Halsschmerzen kann mit dem Tee mehrmals täglich gegurgelt werden. Natürlich sollte der Tee dann vorher abkühlen. Gleichzeitig lassen sich aus dem Tee genauso wie aus den feuchten Resten noch Kompressen und heiße Wickel herstellen.

Für ein Sitzbad wird erheblich mehr benötigt. Als Grundlage sollten etwa zwei Liter Wasser mit etwa 100 Gramm aufgebrüht werden. Die Mischung kann bis zu einer halben Stunde zugedeckt durchziehen. Wenn das Kraut abgesiebt ist, wird dieser Auszug in das Badewasser gegeben. Mehr als etwa 37 oder 38 Grad sollte die Badetemperatur jedoch nicht betragen. Auch von dem Auszug, der für das Sitzbad genutzt wird, kann ein Teil zur Seite gestellt werden, um damit Kompressen oder Wickel herzustellen.

Sogar als eine Art Deo lässt sich dieser beiseite gestellte Anteil gut nutzen. Jedoch sollte der Auszug nicht länger als drei Tage aufbewahrt werden, dann verliert dieses Naturprodukt seine Wirkung.

Ungewöhnliche Anwendung

Vor dem Einsatz von chemischen Färbemitteln wurde das Schafgarbenkraut zur Färbung von Wolle genutzt. Die getrockneten Blüten aller Farbstellungen wurden gemeinsam mit den Stängeln und Blättern dazu genutzt, die Wolle Gelb einzufärben. Vor dem Färben mit Schafgarbenkraut muss die Wolle aber jeweils mit Alaun gebeizt werden, sonst konnte sie die Farbpigmente aus dem Kraut nicht aufnehmen.

Die Verwendung der Wurzel

Nicht nur das Kraut der Schafgarbe hat enorme Vorteile in der natürlichen Medizin, auch die Wurzel kann genutzt werden. Leider ist es inzwischen fast in Vergessenheit geraten, dass die Wurzel als Mittel gegen Zahnschmerzen einfach gekaut werden kann.

Allerdings ist die Wurzel auch heute noch eher schwer im Handel und selbst in einer Apotheke zu bekommen. Die Wurzel wird daher eher von Privatleuten eingesetzt, die selbst im Garten anbauen oder selbst sammeln.